Gestern feierte der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland DVZO gebührend die Einweihung der audiovisuellen Produktion «Töss bewegt: Eine Zeitreise». Sie ist nach der bereits seit sieben Jahren in Betrieb stehenden «Eisenbahn-Zeitreise» der zweite Zwischenschritt zum Eisenbahn-Freilichtmuseum am Bahnhof Bauma. Der durch das Förderprogramm #hallowasser ermöglichte Umbau des historischen Güterwagens Gms 584 macht Lust, mehr zur spannenden Geschichte des Tals zu erfahren.
Der Anlass wurde pünktlich auf den 16 Uhr Glockenschlag durch einen Gruss des Gemeindepräsidenten Res Sudler eröffnet, wo er die Verbundenheit der Gemeinde zur Dampfbahn zum Ausdruck brachte: «Die Dampfbahn gehöre halt zum Dorf, wie die Kirche». Etwas ernster wurde es bei der Rede von Chrigel Marti, Abteilungsleiter Wasserbau beim AWEL Kt. ZH, welcher zum Einstieg eine gfürchige Sequenz des Hochwassers aus dem Hörspiel Anneli von Olga Meier (Hochwasserszene ab Min 28:30) abspielte. Das genannte Hochwasser steht im Mittelpunkt der #hallowasser-Installation, nimmt aber auch in den Bestrebungen des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) im Rahmen des Projekts «Depotareal Bauma 2020» eine wichtige Rolle ein. Mit dem sich derzeit im Bewilligungsprozess befindenden Projekt soll neben dem neuen Zugang ans Wasser und der Revitalisierung auch das Hochwasserrisiko oberhalb der Sternenbergbrücke massgeblich entschärft werden. Dort droht die Töss nämlich bei einem 300-jährigen Hochwasser ihrem Namen (die Tosende) gerecht zu werden, über die Ufer zu treten und das Dorf mit samt Bahnhof zu überschwemmen.

Während dem sich die Gruppe nach den Ausführungen von Chrigel Marti weiter in Richtung des #hallowasser-Wagens bewegte, begann das feierliche Manöver für das «Rollouts» des #hallowasser-Wagens, durch die Lokomotive Nr. 8518 des DVZO, während der Schreibende einige Worte zum Meilenstein an das noch immer aufmerksame Publikum richten durfte. Zischend und schnaubend machte die Dampflok jegliche Nebelmaschine oder Feuerwerk obsolet und brachte den Wagen an seine exakte Position. Die Projektleiterin und Szenografin Antonia Banz erlaubte derweil vor der fahrenden Geräuschkulisse einen kurzen Blick in die Trickkiste, mit welchem ihr Team von raumprodukt dem Wagen Leben eingehaucht hat. Das gleiche Band – welches bereits für die Einweihung der Etappe 0.1 zum Einsatz gekommen ist (vgl. oben) – durfte auch dieses Mal wieder von Chrigel Marti und Res Sudler feierlich geöffnet werden, bevor die erste Gruppe den Wagen betreten konnte.

Angelehnt an einem Tagebucheintrag von Jean Mötteli von 1876, der das verheerende Hochwasser miterlebt hat, startet die Zeitreise mit seinen Worten «Es war anfangs Juni, als an einem Samstagnachmittag ein heftiges Gewitter die Gewässer heftig anschwellen liess». Es wird die fiktive und kurzweilige Geschichte von Tösstalbahn-Heizer Bodmer erzählt, welcher auf Wunsch des Fabrikanten Guyer-Zeller nochmals eine halsbrecherische Fahrt nach Winterthur wagt. Die methodisch sehr stimmig aufgebaute Geschichte wurde vom langjährigen Betriebsleiter des DVZO Jürg Hauswirth in Abstimmung mit dem Tösstalprofi und Historiker Cornel Doswald entwickelt. Während der Vorführung bleiben die Besucher:innen zwar trocken, aber hie und da blitzt und donnert es gehörig und im Wagen rumpelts kräftig. Wie die Geschichte endet, sei an dieser Stelle nicht verraten. Das Erlebnis mündet aber in die Möglichkeit, sich mit den Ursachen des Hochwassers und den Zusammenhängen zwischen der Töss und der Bahn auseinanderzusetzen. Diese sind mannigfaltig und prägen sowohl Landschaft, wie auch unser Leben bis heute.
Die Vorführung ist kostenlos, die Freiwilligen der Dampfbahn freuen sich aber über einen Zustupf für Betrieb und Unterhalt an der Anlage. Sie ist ab Freitag, 3.10.25 bis Ende Oktober täglich zugänglich (vgl. auch Infos auf der DVZO-Homepage). Anschliessend geht der Wagen in den Winterschlaf, damit er nächsten Frühling wieder pünktlich zum Auftakt der Saison 2026 die Besucherinnen und Besucher begrüssen kann.

Zurück zum Anlass: Bei drei Vorführungen hatten alle Gäste die Gelegenheit die Produktion zu erleben. Parallel dazu wurde im durch das Gastronomieteam des DVZO vorbereiteten Buffetwagen ein Apéro serviert, wo ein reger Austausch auch über die nächsten Meilensteine des Depotprojekts möglich war. Die Beteiligten sind gewillt und motiviert den eingeschlagenen Kurs weiter zu verfolgen, um bald das blau-weiss gestreifte Band für die Einweihung der nächsten Etappe wieder zu schnüren. Vielleicht wird es die Passerelle als neuen Zugang zur Töss sein? Eins ist klar: Mit der Einweihung der #hallowasser-Installation «Töss bewegt. Eine Zeitreise» hat der DVZO nach der Einreichung des Plangenehmigungsdossiers beim Bundesamt für Verkehr dieses Jahr einen weiteren und sehr wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Umgestaltung seines Depotareals erreicht. Es sei dabei allen Freiwilligen des Projektteams, den beteiligten Unternehmen und den Verantwortlichen des Förderprogramms #hallowasser zur Mitermöglichung dieses spannenden Vorhabens gedankt.




